1. Mannschaft - SV Borsch 1925
Fußball-Landesklasse
Wenn Taktik ein Spektakel verhindert
Ralf Ilgen 18.10.2026 - 15:00 Uhr
In einer chancenarmen Partie fallen zwischen dem VfL Meiningen und dem SV Borsch keine Tore. Warum gibt es in Spitzenspielen oft solche Nullnummern?
Es wurde nichts am Samstagnachmittag mit einem tollen Duell zweier spielstarker Mannschaften. Zu gut hatten die Trainer ihre Jungs auf den Gegner eingestellt, zu clever verteidigten beide Mannschaften und es gelang keinem der beiden Teams, den Gegner durch viel Druck in den entscheidenden Fehler zu zwingen. So war es ein enttäuschendes Spiel, was die Chancen angeht, aber doch sehr spannend und rassig in den Zweikämpfen. Es war eher etwas für die Taktikfüchse, die beim Zuschauen sicher ihren Spaß gehabt hätten. Am Ende stand ein torloses 0:0.
Meiningens Dominik Franke hatte es schon in unserem Vorschau-Interview gesagt. „Die Duelle waren in der Vergangenheit meistens eng und taktisch geprägt. Für den einen oder anderen Zuschauer war das vielleicht nicht immer die ganz große Fußball-Show“, meinte er und fügte an, dass der VfL das am Wochenende gerne ändern würde. Dass dies nicht gelang, hatte mehrere Gründe. Aber es ist ja nicht neu, dass gerade solche Spiele, von denen man sich spielerisch so viel erwartet, dann so aussehen. Wenn man es sich einfach macht, kann man sagen, dass sich an diesem Tag in den meisten Szenen die Gegner gegenseitig neutralisiert haben. Beide kamen nach Ballverlusten immer schnell in die Rückwärtsbewegung, scheuten das Risiko im Spielaufbau.
Aus dem Spiel heraus gab es für den VfL vor der Pause nur drei gute Szenen. So kam Döll eine Sekunde zu spät, als Weber ihn steil angespielt hatte, aber der junge Borscher Keeper Wolf vor dem Strafraum klärte (25.). Nach einer knappen halben Stunde war es dann ein Pass von Franke, der die Gästeabwehr mal aushebelte, aber Pyterke kam Zentimeter zu spät vor dem Strafraum, wo erneut Wolf aufgepasst hatte. Döll versuchte es noch mal von der Strafraumgrenze mit einem Distanzschuss (37.). Insgesamt wurde dieses Mittel auf dem nassen Rasen aber beiderseits kaum einmal gewählt.
Nur sehr wenige Torszenen
Auf der Gästeseite waren es vor der Pause zwei Standards, die für Gefahr sorgten. Göbs erste Freistoß-Eingabe aus Linksaußenposition passierte Freund und Feind, ehe der Ball in den Händen des VfL-Torhüters landete (13.). Kurz darauf segelte erneut eine Freistoßflanke von Göb in den Strafraum, aber Barnewald köpfte das Leder weit über das Tor. Ansonsten war die Partie von der Taktik geprägt, keinen Fehler zu machen. Deswegen gab es in Hälfte zwei auch keine einzige gefährliche Torszene. Man muss vor allem den Borschern zugestehen, dass sie mit einer derart jungen Mannschaft sehr gut daran taten, eben nicht den offenen Schlagabtausch zu suchen. Und schließlich ist es doch auch schön zu sehen – zumindest für die Trainer – wenn die defensive Taktik aufgeht und man einem spielstarken Gegner keinerlei Chancen aus dem Spiel heraus zugesteht. Und das galt in diesem Fall für beide Seiten.
Bei Meiningen fehlt die Genauigkeit
Auf dem Feld hatte der VfL über die 90 Minuten mehr Ballbesitz. In der einen oder anderen Szene hätte es gefährlich werden können. Wenn dann beim Passspiel im letzten Drittel mehr Risiko gegangen wurde, fehlte aber stets die Genauigkeit. So bei Weber, der in Hälfte eins mit einem schönen Ballgewinn im Mittelfeld plötzlich mal das Momentum auf die Seite des VfL zog, dann aber einen ungenauen Steckpass spielte. Nicht zu übersehen war beim VfL, dass der für den fehlenden Benkenstein in der Innenverteidigung aufgebotene Aljija mit seinen Ideen im Mittelfeld fehlte. So hatte es der VfL immer schwer, gegen die oft pressenden Borscher in den Spielfluss zu kommen und lief sich immer wieder in der Gästeabwehr fest. Aber auch die VfL-Abwehr stand sehr sicher.
Der Unparteiische Paul Hegenbarth leitete sehr gut. Er ließ beide Teams an der langen Leine, in vielen Szenen ließ er laufen und pfiff selten einen Freistoß. In der Tabelle steht Meiningen jetzt einen Punkt vor Wacker Gotha, hat aber ein Spiel weniger absolviert. Die weiteren Favoriten haben schon sieben (Borsch und Hildburghausen) oder gar acht Punkte (Schweina-Gumpelstadt und Ohratal) Rückstand.
Stimmen zum Spiel
Marcel Kißling, Trainer VfL Meiningen:
Ich habe erwartet, dass es heute so ein Kampfspiel wird und dann die Mannschaft, die den einen Fehler macht, als Verlierer vom Platz geht. Wir haben ihn nicht gemacht, Borsch hat uns den Gefallen auch nicht getan. Von daher ist es ein leistungsgerechtes Resultat. Wenn man auf die Tabelle schaut, denke ich, dass das Unentschieden den Borschern aber mehr weh tut als uns.
Christoph Neidhardt, Co-Trainer SV Borsch:
Das war für unsere junge Truppe, von denen viele noch A-Jugend spielen können, eine ganz reife Leistung gegen einen guten Gegner. Es hätte zu beiden Seiten kippen können, aber ich habe hüben und drüben keine großen Torchancen gesehen. Das Unentschieden ist in Ordnung. Wir sind mit dem Punkt zufrieden. Ich persönlich habe hier als Spieler nie etwas mitgenommen.