ZU BRAV IN DER ABWEHR
HANDBALL SG Auerbach/Pegnitz muss nach 34:39-Niederlage in Forchheim noch um Ligaverbleib bangen.
Daniel Ruppert
Was genau Maximilian Sauter im Oberliga-Nord-Spiel gegen die SG Auerbach/Pegnitz dermaßen motiviert hatte, ist nicht ganz klar, denn für den Kreisläufer des HC Forchheim gab es am Samstagabend gleich mehrere Gründe. Vor dem Anpfiff wurde der 28-Jährige beruflich und familiär bedingt in die Handballrente verabschiedet, die Partie in der Realschulhalle war somit seine letzte vor eigenem Publikum. Unter den Zuschauern war aus diesem Anlass auch Bruder Moritz (23), der für den HSV Hamburg in der Bundesliga aufläuft.
Der sah, wie Max Sauter acht Tore warf und dazu beitrug, dass sich der HC - Motivationsgrund Nummer drei - mit einem 39:34-Sieg vorzeitig den dritten Tabellenplatz sicherte. Zuvor hatte seine Saisonbestmarke bei drei Treffern gelegen, in 18 Begegnungen waren 13 Tore zusammengekommen. „Immer wenn er frei war, habe ich ihn angespielt. Und dann hat er die Dinger auch gemacht“, erklärte der dritte Bruder, Lukas Sauter (27), der selbst neun Mal traf und damit immer noch nicht der erfolgreichste Forchheimer war. Denn Rückraum-Kollege Philipp Opitz steuerte elf Buden bei. Für Auerbach traf David Klima zehn Mal.
Die Gastgeber legten von Beginn an stets vor. Der letzte Gleichstand herrschte beim 6:6 in der 13. Minute. Danach zogen die Flippers mit einem 6:0-Lauf davon, nahmen ein 20:15 mit in die Kabine und hatten beim 24:17 den größten Vorsprung erreicht, der einer Vorentscheidung glich. Doch die Pegnitzer, die aus drei ausstehenden Partien einen Sieg brauchten, um sicher die Klasse zu halten, kämpften sich zurück, wobei kämpfen das falsche Wort ist. Keine einzige Zeitstrafe - lediglich Trainer Daniel Schalanda kassierte in der Schlussphase die Gelbe Karte - bekamen die Gäste aufgebrummt. „Das haben wir in die Halbzeitpause angesprochen. Der Coach meinte, wir sollen ihnen etwas mehr auf die Finger hauen“, berichtete Jahn Attije hinterher. „Da die Schiedsrichter fiel laufen gelassen haben, hätten wir unsere Grenzen ein bisschen mehr austesten können“, räumte der 19-Jährige ein. Die SG bot dem HC zumindest spielerisch Paroli, was mit Blick auf das wahrscheinliche Finale gegen die DJK Waldbüttelbrunn II am 11. April wichtig ist. „Wir hätten die zwei Punkte aber gerne schon in Forchheim geholt“, sagte Attije.
Dass es nicht mal für einen Zähler reichte, lag an der Offensivstärke der Hausherren, die ihren bisherigen Höchstwert um zwei Tore ausbauten und in der Gesamttrefferzahl (614) knapp an Auerbach (611) vorbeizogen. Zudem ist der Rangdritte für Helmbrechts und Roßtal jetzt uneinholbar. „Das hätte ich vor der Saison definitiv unterschrieben. Wir können stolz sein, was wir als Aufsteiger erreicht haben“, resümierte Max Sauter. „Das war heute schon emotional und ein Extra-Ansporn“, schätzte Lukas Sauter die Situation ein. „Beide haben eine Super-Leistung gezeigt. Ich konnte ihre Tore zusammen irgendwann gar nicht mehr zählen“, bilanzierte Moritz Sauter.
Der zweite Vierziger in Folge blieb der SG gerade so erspart. „Am Ende ging uns ein wenig die Puste aus, dann haben wir leichte Fehler in der Abwehr gemacht. Und das Torhüterduell haben wir leider auch verloren“, analysierte Attije. Der Rückraumspieler, der für mehr Vielseitigkeit zur Zeit das Werfen mit der linken Hand übt, verschaffte seinem Team mit provozierten zwei Minuten gegen Max Sauter wegen dessen Ellenbogen am Hals einen Vorteil. Ein paar Heimfans bezichtigten ihn daraufhin als Schauspieler.
„Vielleicht war mein Kopf wirklich ein bisschen niedrig“, räumte der 19-Jährige ein, der die Schmähungen scheinbar gelassen über sich ergehen ließ. „Das trifft mich schon, aber für solche Momente habe ich zum Glück erfahrene Mitspieler, die mir sagen, dass ich das ausblenden soll.“ Das klappte offenbar gut, mit fünf Treffern war er gemeinsam mit Franz Lux zweitbester Werfer seines Teams. Kurios: Auch die zweite und einzige weitere Zeitstrafe der Partie ging an Max Sauter. Die dreifache Motivationsspritze zeigte also auch in dieser Hinsicht Wirkung.