Johannes Finck: „Ich war in Göllheim noch nicht fertig“

Nordpfälzer Wölfe
15. Jul. 2026

Johannes Finck ist Trainer des Jahres 2025. Der 65-Jährige spricht über die „Nordpfälzer Wölfe“ und über einen spannenden „Nebenjob“ bei einem Handball-Bundesligisten.

Herr Finck, Sie sind als Trainer des Jahres 2025 im Donnersbergkreis geehrt worden. Sie haben gesagt, so eine Ehrung sei immer ein Verdienst des Teams. Warum eigentlich?

Es liegt eigentlich auf der Hand. Mannschaftssport und nicht nur der, lebt vom vielfältigen Engagement der Vereinsmitglieder. Es ist ein Begegnen auf Augenhöhe bei unterschiedlicher Verantwortlichkeit, aber mit der Wertschätzung aller Tätigkeiten, vom Thekendienst an den Heimspielen, über die Spieltechnik, den Hallensprecher, die Vorstandsarbeit und vieles mehr. Ein Trainer allein kann nichts bewegen. Erfolg zu haben, bedeutet, alle zu sehen und mitzunehmen. Das soziale Miteinander bildet das Fundament für eine erfolgreiche Entwicklung. Der Trainer muss wissen, was Vereinsmitglieder rund um eine Mannschaft an Engagement, Leidenschaft und Zeit investieren und er hat auch die Aufgabe, dies allen Spielern das zu vermitteln. Es muss eine Wertegemeinschaft entstehen, aufgebaut auf gegenseitigem Respekt, Leistungsbereitschaft, Ausdauer und vor allem Freude am gemeinsamen Tun. Es braucht viele Menschen, die sich mit Leidenschaft engagieren. Nur dann entsteht auch etwas Gutes und Großes. Ich hatte an diesem Abend viele Gesichter vor mir, denen ich von Herzen danke, dass sie mich den Weg mitgegangen sind, Verantwortung übernommen haben und damit eine einmalige Geschichte mitgeschrieben haben. Natürlich sehe ich da auch meine Spieler über viele Generationen, da waren in jeder Mannschaft tolle Typen, manche sind noch heute „Vereinslegenden“.

Leidenschaft ist ein gutes Stichwort. Woher kommt denn Ihre Leidenschaft für den Handball?

Das war einfach ein Erlebnis. In der Oberstufe konnten wir Schüler eine Sportart für ein halbes Jahr wählen und Handball war angeboten. Da ich in der Mittelstufe schon mit der Sportart Handball in Berührung kam, wählte ich diese Sportart für das Winterhalbjahr, um sie gründlicher kennenzulernen. Und in dieser Sportart habe ich mich sofort „zu Hause“ gefühlt. Das Ganzheitliche, die Schnelligkeit, die Athletik, Handball als Kontaktsport hat mich angesprochen. Heiner Brandt sagt immer: Handball beinhaltet alles. Werfen, fangen, laufen. Auch die Einstellung, die Handballer zu ihrem Gegenspieler haben, bei aller Härte im Kontakt immer fair und respektvoll zu bleiben, ist etwas, was mich anspricht.

Sie haben ja 1980 quasi den Männerhandball beim TuS Göllheim mit ins Leben gerufen. Was waren denn so die Anfangsschwierigkeiten dabei?

In Göllheim gab es damals zwei Mannschaften, eine weibliche Jugend und eine Damenmannschaft. Mit Gründung einer Männermannschaft wurde die Handballabteilung des TuS Göllheim größer, was durch die 1980 eingeweihte wettkampfgerechte Hans-Appel-Sporthalle leichter möglich wurde. Das neue Team hat sich aus den Schulmannschaften des Nordpfalzgymnasiums und des Weiherhof-Gymnasiums rekrutiert. Es waren vor allem Göllheimer junge Erwachsene und ihre Schulfreunde aus der Umgebung. Wir haben uns einmal die Woche zum Training getroffen. Alles musste erlernt werden, Spielbetrieb organisieren, Schiedsrichter stellen, Bälle und Trikots besorgen und vieles mehr. Die größere Hürde war aber die sportliche Herausforderung. Wir haben zwar in der untersten Spielklasse Kreisliga C im Handballkreis Nord mit dem Spielbetrieb begonnen, trafen dort aber oft auf langjährige, mit der Erfahrung eines ganzen Handballerlebens gesegnete Spieler. Das war ein steiniger Weg, der uns aber immer Freude bereitet und eher Mut gemacht hat. Viele der Spieler sind aus ihren Studienorten dem Spielbetrieb treu geblieben und haben so mitgeholfen, dass der Männerhandball wachsen konnte.

Wenn Sie da jetzt zurückschauen, sind Sie da auch ein bisschen stolz, dass da bei den „Nordpfälzer Wölfen“ – es sind ja dann die anderen Vereine noch dazugekommen – nach und nach etwas aufgebaut wurde mit Aktiven, Jugendteams, der ganzen Struktur?

Ja, auf jeden Fall. Das sind wir alle, die daran beteiligt waren und sind. Jürgen Dhom zum Beispiel, ein Mitspieler aus der Anfangszeit, ist auch immer noch mit dabei. Hat Jahre als Jugendtrainer mitgeholfen, junge Spieler mit aufzubauen, den Handballförderverein mitgegründet und führt diesen schon seit Jahren. Nach den Anfangsjahren entschieden wir uns so etwa 1992/93, die Abteilung zielorientierter zu entwickeln. Da waren einige Widerstände zu überwinden. In den Mittelpunkt stellten wir die Entwicklung und Förderung des Kinder- und Jugendhandballs – sprich Ausbau der Jugendarbeit im männliche wie weiblichen Bereich. Wir wollten unsere Sportart in der Region weiter etablieren, Nachwuchs für die aktiven Mannschaften heranziehen, um auch sportlichen Erfolg aufzubauen. Die Früchte dieser Arbeit lassen sich am sportlichen Erfolg dann ablesen. Als ich die Männer 1995 übernahm, spielten wir noch in der C-Klasse. Wir sind dann in den nächsten zwei Jahrzehnten nach der anderen aufgestiegen – ohne einen Abstieg bis in die Pfalzliga (heute Oberliga). Dies waren fünf Spielklassen. Wir haben unsere Spieler selbst ausgebildet, hatten immer wieder Talente dabei, die auch in Auswahlmannschaften gespielt haben. Sie sind uns alle treu geblieben. Auch diesen Spielern bin ich dankbar. Sie sind den Weg mitgegangen. Sie haben zum Teil auf den persönlichen Erfolg, verzichtet und ihr Talent und ihre Möglichkeiten hier mit eingebracht. Und das war letztendlich unser gemeinsamer Erfolg. Das sind unvergessliche Momente von Aufstiegsspielen, Relegationen und Meisterfeiern bei voller Halle.

Sie waren – mit Unterbrechungen – mehr als 30 Jahre Trainer der Herren. Jetzt machen Sie auch noch in der Jugendförderung weiter als Trainer. Ist die Jugend auch so etwas, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ja, unbedingt. Die Jugend ist unsere Zukunft, das ist und bleibt unser Weg. Wenn man sieht, wie dankbar Kinder sind und wie sie aus dem Sport für ihr alltägliches Leben, für ihre Persönlichkeitsentwicklung Kraft schöpfen können, ist das eine ganz tolle Sache. Für junge Menschen ist es wichtig, die Möglichkeit zu bekommen einen Anspruch an sich selbst zu entwickeln. Der Handballsport – Sport generell – ist dazu super geeignet: Lernen, sich selbst einzuschätzen, Niederlagen und Siege richtig einzuordnen, mit seinen Mannschaftskameraden seine Gefühle teilen, Ausdauer und Durchhaltevermögen entwickeln, Zuverlässigkeit lernen, das alles und vieles mehr sind wichtige Lernfelder. Kinder erleben, dass ihre Anstrengungen für sie selbst Erfolg bringen. Das ist die Drehfeder, die viele Kinder in andere Lebensbezüge übertragen können, in die Schule, in Berufsausbildung, in Lebensentwürfe.

Nun waren Sie als Trainer erfolgreich mit vielen, vielen Aufstiegen. Gab es da auch mal Abwerbungsversuche?

Ja, es gab immer wieder Gespräche mit anderen Vereinen bis hin zur Dritten Liga und A-Jugendbundesliga. Ich habe immer viel in meine Aus- und Weiterbildung investiert. Das schafft dann auch ein Netzwerk über den heimischen Verband hinaus. Als A-Lizenz-Inhaber mit der Berechtigung, einen Bundesligisten zu trainieren, dann sowieso. Ich war lange im Lehrstab des Pfälzer Handballverbands aktiv, eine Zeit lang als Lehrwart, daraus ergaben sich dann auch Anfragen. Aber zum einen wollte ich kein hauptberuflicher Trainer werden und zum anderen war ich in Göllheim noch nicht fertig. Von daher war das immer auch eine Abwägung: Ist die Aufgabe, der man sich gestellt hat, erledigt? Die positive Entwicklung, die wir mit der HR genommen haben, hat dann immer den Ausschlag gegeben, die Angebote nicht anzunehmen.

Nun sind Sie parallel auch als Mentaltrainer beim Handball-Bundesligisten TBV Stuttgart aktiv. Wie kam es denn dazu?

Ich habe schon sehr lange Verbindungen nach Stuttgart. Dort war den Verantwortlichen bekannt, dass ich schon mit Bundesligaspielern im Einzelcoaching gearbeitet habe – und so kam dann die Anfrage, ob ich was für den Förderkader im Anschlussbereich machen kann. Und ja, da unterstütze ich die Spieler bis hin zur Bundesliga.

Seit wann machen Sie das in Stuttgart?

Jetzt im dritten Jahr.

Und was machen Sie da dann konkret?

Oh, Mentaltraining ist ein sehr, sehr weites Feld. Es kann um persönliche Lebensfragen gehen, aber auch um das Erlernen von Techniken, Drucksituationen in Energie verwandeln, Aufmerksamkeit richtig steuern, sich einen Flow im Spiel erarbeiten, Emotionen regulieren, Negativsituationen im Spiel zu Stärken verwandeln, schwere Verletzungen verarbeiten. Vielleicht ein konkretes Beispiel: Visualisierung von Bewegung beziehungsweise mentales Techniktraining. Das heißt, der Spieler muss eine klare Vorstellung entwickeln von dem, wie eine Bewegung auszuführen ist. Dabei muss er diese Bewegung auch innerlich spüren, das heißt, er geht selbst in die Tiefe der Ausführungsbewegung. Anspannung der Muskeln, Stellung der Gelenke, Augenfixierung und so weiter.

Wenn Sie den „Nordpfälzer Wölfen“ etwas für die Zukunft wünschen könnten, was wäre das?

Auf allen Ebenen der „Nordpfälzer Wölfe“ ein gutes und erfolgreiches Miteinander, eine attraktive Spielweise aller Mannschaften und den Mut, sich weiterzuentwickeln. Ich wünsche, dass die nächsten Generationen erkennen, was unsere Wurzeln sind, dass die HR immer für eine qualifizierte Kinder- und Jugendarbeit steht. Ich wünsche mir auch, dass die HR neben dem Handball ihrer sozialen Verantwortung in der Gesellschaft gerecht wird. Und auch, dass die RHEINPFALZ die HR weiter begleitet. Es war immer ein vertrauensvolles, konstruktives Miteinander. Gemeinsam haben wir dadurch auch den Handball in der Region gestärkt.


Text: Markus Weiß RHEINPFALZ

Fotos: Juri Tromsdorf

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